Lehrlingsberichte

Christof Blättler, 4. Lehrjahr

Seit 2005 arbeite ich im Vermessungs- und Ingenieurbüro Ackermann+Wernli in Aarau als Lehrling und die Arbeit gefällt mir immer noch sehr gut. Jeden Tag wird man vor eine neue Herausforderung gestellt, da der Beruf Geomatiker (früher Vermessungszeichner) sehr abwechslungsreich und vielseitig ist.
Die Hauptaufgabe meines ersten Lehrjahres, war das Erstellen von Situationsplänen. Das sind Kopien vom Plan für das Grundbuch. Im Grundbuchplan werden Lage, Form und Inhalt eines Grundstückes beschrieben. Bei den Feldarbeiten war ich als Gehilfe bei Bauvermessungen dabei. Bei dieser Arbeit werden Gebäudeachsen eines neu zu bauenden Hauses anhand von Berechnungen, welche im Büro ausgeführt wurden, auf einer Baustelle millimetergenau abgesteckt. Das für diese Arbeit benötigte Instrument ist der Tachymeter, ein Distanz- und Winkelmessgerät.
Im zweiten Lehrjahr war ich bei der Neuvermessung der Gemeinde Buchs aktiv dabei.  Es war vor allem Arbeit auf dem Feld. Zuerst musste ein Fixpunktnetz erstellt werden, welches die Grundlage für das spätere Messverfahren darstellte. Danach mussten  die Grenzpunkte der Grundstücke ausfindig gemacht werden. Grenzpunkte welche nicht mehr vorhanden waren wurden anhand von alten Messdaten rekonstruiert. Auch handwerkliche Fähigkeiten waren gefordert, z. B beim Setzen eines Marksteines, oder beim Suchen eines solchen Steines mit Locheisen und Schaufel. Später konnte mit der Aufnahme begonnen werden. Mit modernster Technologie wurden Grenzpunkte und die Art der Bodenbedeckung (dazu gehören Gebäude, Strassen, Äcker, Wälder, Gewässer usw.) genau und zuverlässig vermessen.
Im dritten Lehrjahr durfte ich im Ingenieurbüro arbeiten. Ein interessantes Projekt war die Beobachtung der Veränderung des Flusslaufes der Bünz in Möriken-Wildegg. Wegen starker Regenfälle hatte sich der Fluss einen neuen Weg gesucht. Unsere Aufgabe war es, die Veränderungen des Geländes zu beobachten, in Plänen und Dokumenten zu protokollieren und die neue Situation aufzunehmen. Auch war ich bei Dichtigkeitsprüfungen landwirtschaftlicher Betriebe involviert. Das heisst so viel wie, die Entwässerung eines Bauernhofes auf einem Plan darzustellen. Des weiteren konnte ich diverse Pläne zur Vorplanung einer modernen Melioration oder zur Planung eines Bauprojektes selbst gestallten, basierend auf den Daten der amtlichen Vermessung.
Im vierten Lehrjahr bin ich vor allem mit der Nachführung der amtlichen Vermessung beschäftigt. Die Daten müssen laufend nachgeführt werden und stets auf dem neusten Stand sein z.B. beim Bau eines neuen Hauses. Daten welche in der amtlichen Vermessung erhoben werden, basieren auf Vorschriften und technischen Richtlinien (AV93-Handbuch). Spätestens im letzten Lehrjahr muss man sich mit ihnen vertraut machen. Gegen Ende der Lehre kann sehr selbständig gearbeitet werden, auf dem Feld ist man nicht mehr der Gehilfe, sondern der Equipenchef und kann das Instrument selbst bedienen und auch anschliessend bei den Auswertungen und Konstruktionen selbstständig diverse Arbeiten ausführen.
Geomatikerlehrlinge aus der Deutschweiz besuchen in jedem Lehrjahr in Zürich einen Blockkurs der 10 Wochen dauert. Pro Lehrjahr nehmen ungefähr 100 Lehrlinge an diesem Kurs teil. Den Rest arbeitet man in einem Ingenieur- und Vermessungsbüro. Mathematik ist das Fach, welches am meisten Gewicht erhält. Teilgebiete sind Trigonometrie, Planimetrie und Algebra. Weitere Fächer sind  Vermessungskunde, Allgemeinbildung, Turnen, Informatik, Grundbuchrecht und Skizzieren.
Auch nach der Lehre stehen dem Geomatiker diverse Weiterbildungsmöglichkeiten zur Verfügung. Man kann sich zum Geomatiktechniker, dipl. Ingenieur Geomatik FH, dipl. Ingenieur Geomatik ETH oder zum patentierten Ingenieur Geometer weiterbilden.



Kevin Hilfiker , 3. Lehrjahr

Für mich war schon früh klar, dass ich Geomatiker werden will. Das begann bereits in der 2. Klasse Bezirksschule in Zofingen, als wir die verschiedenen Berufe im Bereich „Mathematik“ kennen lernten. Sofort schnupperte ich in allen umliegenden Vermessungsbüros unter anderem auch bei Ackermann+Wernli in Aarau. Ein riesiger Vorteil ist das breite Spektrum, welches dieser Beruf bieten kann. Ein Bürotag am Computer, der nächste Tag draussen auf dem Feld. Abwechslung pur!
Früher arbeitete man im Büro praktisch ausschliesslich mit Karton- oder Aluplänen und führte diese mit Zirkel, Tusche und Lineal nach. Doch seither hat sich die Arbeit modernisiert und der Geomatiker arbeitet heute vor allem am Computer. Dies hat immense Vorteile, so zum Beispiel bei der Massstabswahl oder dass Pläne nach Kundenbedürfnissen mehrere Male geplottet werden, wo man vor 15 Jahren nur genau ein einziges Exemplar zur Verfügung hatte.
Auf dem Feld arbeitet man am häufigsten mit einer Totalstation (moderne Distanz- und Winkelmessgeräte), Nivellier (für die Höhenbestimmung) oder GPS (Satellitenmesstechnik). Mit diesen hilfreichen Messhilfen führt man die Grundbuchpläne nach, bearbeitet Bauvermessungen oder steckt auf dem Feld Achsen, Profile, usw. ab.
Ich helfe auch bei diversen Arten von Spezialvermessungen, so zum Beispiel Tunnel- oder Deformationsvermessungen (Staudämme, Strommasten, etc.). Ich habe das Glück, dass man in unserem Büro die Möglichkeit hat, solche Messungen mitverfolgen zu können, so z. B. am Umbau des Bahnhofs in Aarau oder dem Neubau der Umfahrungsstrecke Küttigen (NK 107 vom Telli bis zur Staffelegg).
Auch die Schule ist für Lehrlinge etwas sehr spezielles. In unserem Beruf geht man nicht jede Woche in die Berufsschule, sondern besucht Blockkurse (zehn Wochen am Stück) in Zürich. In der Schweiz gibt es lediglich eine deutschsprachige Schule für die Vermessung, diese ist in Zürich.
Im Moment verarbeite ich Gebäudemutationen, die ich ein paar Tage zuvor in Muhen mit einer Totalstation auch selber aufgenommen habe. Da Mutationen (Gebäude, Liegenschaften, etc.) auch ein grosser Bestandteil der LAP sind, lohnt es sich, so viele Gebäudeänderungen wie möglich zu verarbeiten, um immer mehr dazuzulernen.
Wichtig zu wissen ist, dass wir genaue Vorschriften haben, wie ein Gebäude (z.B. ein Wintergarten) konstruiert werden muss. Diese Vorschriften sind im AV93-Handbuch geregelt und wurden vom Kanton an die Vermessungsbüros ausgehändigt, damit man pro Kanton eine einheitliche Situation hat.
Ich bin sehr froh, diesen Beruf gewählt zu haben, da der Lehre an Abwechslung praktisch keine Grenzen gesetzt sind. Es existieren sehr wahrscheinlich keine anderen Berufe, mit der Möglichkeit, draussen und drinnen oder auch am Computer und von Hand zu arbeiten. Man lernt immer wieder Neues dazu, so war es mir bis jetzt noch an keinem einzigen Tag in der Lehre langweilig und das spricht eindeutig für den Beruf.

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